Am 15.2.2019 war ich wieder auf KLANGVISITE im Hospiz ADVENA, diesmal begleitet von Anja Baumgart-Pietsch, die einen Bericht über meine Klangvisiten am Sterbebett für das Seniorenmagazin Consens schreibt und auch die Bilder machte. Mein Valentinsgeschenk kam gestern vom Zahnarzt: Penicillin, hochdosiertes Ibuprofen und ein Ticket für eine Wurzelkanalbehandlung. Dienstag gehts los… Vollgedopt mit Penicillin und Ibu fuhr ich heute also auf die pressebegleitete Klangvisite ins Hospiz in Erbenheim.

Im ersten Bild spiele ich auf dem Flur für die Bewohner im Erdgeschoss, um mit den Harfenklängen sanft Kontakt zu den Bewohnern und Angehörigen aufzunehmen. Im zweiten Bild spiele ich bereits Harfe am Krankenbett im Zimmer einer Dame, die vor zwei Tagen ins Hospiz kam. Sie und ihr Sohn hatten mich auf dem Flur spielen hören und in einer Spielpause geklatscht. Daraufhin bin ich ins Zimmer und habe angeboten, auch auf ihrem Zimmer für sie zu spielen. Sie hat sich super gefreut und sich zur beruhigenden Harfenmusik sichtlich entspannt. Ich bot ihr eine Klangmassage an der Harfe an (drittes Bild), bei der sie Hand und Arm auf den Resonanzraum der Harfe legt und die vibroakustischen Klänge auf ihren Körper wirken ließ, was ihr sehr wohl tat. Sie ist ein sehr aufgeweckter und selbst jetzt noch Lebenslust aus den Augen versprühender Typ, und wurde neugierig, die Harfe selbst einmal ausprobieren. So habe ich ihr die Harfe überlassen und sie hat spielerisch die Saiten gezupft. Beim Herausgehen kam mir ihr Sohn hinterher und hat sich bei mir von Herzen überschwänglich mit den Worten bedankt: Da haben Sie heute eine große Freude gemacht. Er war selbst zu Tränen gerührt… Immer wieder geht es bei meinem Klangvisiten auch darum, die Angehörigen in ihrer Situation zu begleiten, für sie in der oft überfordernden Situation am Sterbebett mit dazusein und Trost und Halt zu geben. Denn: Den eigenen Tod den stirbt man nur, doch mit dem Tod der andern muss man leben…

Mein zweiter Besuch führt mich zu einem Bewohner, den ich seit Oktober immer wieder begleite und über den ich bereits in meinem Blogeintrag „Wir Komplizen“ geschrieben habe. Seit ich ihn das letzte Mal nach der Gedenkfeier des Hauses im Januar besucht hatte, hat er sich sichtlich verändert und sein Zustand sich stark und plötzlich verschlechtert. Im November waren wir noch zusammen feiern, als er mich als Überraschungs-Klangvisite auf die Goldene Hochzeit einer Freundin buchte, um ihr einen Dank zu überbringen. So vom Krankenbett weg. Und nach der Feier hatten ihn Freunde wieder ins Hospiz gefahren. Schön, dem Tod nochmal einen Haken geschlagen zu haben. Bei meiner letzten Klangvisite habe ich ihm mal eine Stunde das melodiöse, zu Herzen gehende Gayatri-Mantra gesungen, von Harfe begleitet, und er war dazu total gechillt in einen entspannten Schlaf weggedöst. So auch heute wieder: Er hatte Besuch auf seinem Zimmer, ich spielte und sang ihm das Gayatri-Mantra, und nach ein paar Runden des Mantras war er bereits in einen entspannten Schlaf weggesunken. Die tiefe Entspannung sah man ihm sichtlich an. Es ist schön zu sehen wie tiefenentspannt er auf die Harfenklänge und das Mantra reagiert. Ich weiß nicht ob ich ihn noch einmal wiedersehe. Und auch, wenn wir uns nicht in Worten verabschiedet hatten, kann dies heute mein Abschiedsbesuch gewesen sein, und es ist gut, noch einmal dagewesen zu sein.

Mein dritter Besuch führt mich nach oben zu einer Dame, der ich meinen Besuch bereits angekündigen habe lassen. Bei meiner letzten Klangvisite war sie recht neu im Hospiz, und auch heute erlebe ich sie wieder als eine aufgeweckte und neugierige Frau, neugierig aufs Leben und angetan von der Harfenmusik, zu der sie träumend und entspannt die Augen schließt und chillt. Als ich ihr ein englisches Stück vorsinge, meint sie anschließend, einen deutschen Text verstanden zu haben, dessen Worte sie mir wiedergibt. Ich staune… Es ist interessant, wie sehr sie die Energie des Stücks, ohne die Sprache verstanden zu haben, aufnimmt und in den Worten wiedergibt, die sehr nah am Liedtext sind…

Am frühen Abend, der so mild und sanft in der Luft liegt, packe ich meine Harfe und fahre mit dem Bus zurück nach Wiesbaden.

Dies war meine 20. Klangvisite der 25 crowdfundingfinanzierten Klangvisiten aus meinem Projekt.